Elex Review – Piranha Bytes neustes Werk im Test

Piranha Bytes macht ein neues Spiel mit Sci-Fi-Setting. „Ja nee, ist klar.“ war mein erster Gedanke, als ich die ersten Berichte über ein neues RGP von den Gothic-Machern las. Fans der ersten Minute warteten noch immer gespannt auf den neuen Gothic oder Risen Teil. Und das obwohl die Vorgänger mit jedem weiteren Teil etwas von Ihrer Würze verloren. International, aber vor allem hier in Deutschland für Ihren unverkennbaren Ruhrpott-Humor bekannt, hat sich Piranha Bytes seit Anfang der 2000er eine Treue Fanbase aufgebaut, die genau weiß was Sie zu erwarten hat, wenn ein neues Spiel von dem Entwicklerstudio aus Essen in der Mache ist. Trockene One-Liner und volles Pfund auf’s Maul – das ist an der Tagesordnung. Aber wie steht es nun um Elex – das RPG im Sci-Fi-Setting, das alles anders machen soll? Schauen wir mal rein.

Die Story

Der Planet Magalan. Ein Schatten seiner ursprünglichen Selbst nachdem ein Meteor beinahe den gesamten Planten zerstört hat. Mit besagtem Meteor kam das neuartige Element Elex auf den Planeten. Die Überlebenden Magalans rafften sich zu drei Vereinigungen zusammen, die in Punkto Moral- und Werteverständnis unterschiedlicher nicht sein könnten. Die mittelalterlichen Berserker in schweren Rüstungen, die das Elex in reines Mana umwandeln um damit die Natur wieder aufleben zu lassen. Die Outlaws als Mad Max-artige Schrottgangster, die das Elex in sogenannten Stims verwenden, die wie eine Art Aufputschmittel wirken. Anschließend die Kleriker, die das Elex für den Bau großer Waffen und Maschinen nutzen, um Recht und Ordnung wieder herzustellen. Diese drei Fraktionen werden von den Albs bedroht. Ein kriegerisches und kaltes Volk, das das Elex konsumiert um übernatürliche Stärke und innere Kälte zu erlangen. Diese haben es sich zur Aufgabe gemacht, den Rest der menschlichen Bevölkerung zu unterjochen. So weit, so gut.

Kein namenloser Held mehr!

Hauptfigur des Sci-Fi/Phantasy-Epos ist der ehemalige Alb-Commander Jax, der durch den Fehlschlag einer Mission von seinem eigenen Volk exekutiert wird. Dem Tod nur knapp entronnen und seiner Habseligkeiten beraubt, macht er sich auf den Weg um Rache an seinen Peinigern zu verüben und ganz nebenbei auch noch die Wahrheit über seine Vergangenheit zu erfahren.

Die auf den ersten Blick plump wirkende Story rund um das Thema Rache entwickelt sich im Laufe des Spiels zu einer komplexen Geschichte, die den ein oder anderen Twist bereit hält. Hier sollte man keine erzählerische Tiefe eines Witcher 3 erwarten. Jedoch empfiehlt es sich dran zu bleiben um das gesamte Ausmaß der Story zu begreifen. Erzählt wird die Geschichte von Jax und der Welt Magalan hauptsächlich über Dialoge, Fotos, Tonbänder und Dokumente, die die Welt bereit hält. Dem entsprechend wird die Story eher passiv neben den aktiven Geschehnissen erzählt und erst im letzten Drittel des Spiels rückt die Hauptgeschichte in den Fokus. Elex ist also kein Spiel, das dem Spieler seine Story auf dem Silbertablett serviert. Stattdessen fordert es den Spieler dazu auf, sich die einzelnen Storyfetzen selbst zusammen zu suchen. Aus diesem Grund verzichtet Elex auch beinahe gänzlich auf cinematische Zwischensequenzen oder ähnliches.

Und wie steht’s mit den Nebenquests?

Neben der Hauptgeschichte bietet das Vollblut RPG eine gigantische Menge an Nebenquests, die in der Regel kleine Storystränge bilden. Interessant ist, dass – wie übliche bei Piranha Bytes Spielen –auch bei Elex die Grenze zwischen Haupt- und Nebenquest verschwimmt. Um ein bestimmtes Ziel zu erreichen und um die Story voran zutreiben, muss man Nebenquests absolvieren. Diese bewirken die Erfüllung der Hauptquest. Und das ist okay, denn die Quests waren stehts abwechslungsreich und die Motivation durch Belohnungen ist meist gut abgestimmt.

Das Gameplay – Old but Gold

Vorab: jeder, der schon mal einen Gothic-Teil gespielt hat und sich nie am Kampfsystem gestört hat, wird mit den Kämpfen in Elex zufrieden sein. Durch die verschiedenen Waffen- und Magie-Arten ist für mehr Variation gesorgt. Das Gun-Play ist zwar nicht mit aktuellen Shootern zu vergleichen, da Elex aber kein Shooter ist und sich die Entwickler erstmals mit richtigem Gun-Play auseinander gesetzt haben, sehen wir darüber hinweg.

Nahkampf wie eh und je..

Obwohl der Fokus nach wie vor auf dem Nahkampf liegt, mangelt es dem Kampfsystem leider ein wenig an Tiefgang. Leichter Schlag, schwere Schlag, Blocken, Rollen. Prinzipiell vollkommen in Ordnung, allerdings nur wenn die Umsetzung stimmt. Schwammige Hitboxen machen die Kämpfe unnötig frustrierend und der erstmals eingeführte Ausdauerbalken setzt noch eine Schüppe Frust oben drauf. Der erlaubt zu Beginn nämlich nur drei Schläge in Folge und regeneriert sich nur sehr langsam. Das frikelige Rollen und Blocken kann man zwar nach einer gewissen Eingewöhnung gut meistern, ist aber alles andere als intuitiv. Es scheint, als wollte man sich hier ein Stück des „Souls“-Kuchens sichern, was aber leider nicht ganz funktioniert hat.

Fernkampf und Magiefähigkeiten

Neben den Nahkämpfen mit Ein- und Zweihändern bietet Elex noch den Kampf mit dem Bogen bzw. dem Gewehr. Abgesehen von der höheren Schussfrequenz bei letzterem tun sich die beiden Waffentypen gameplaytechnisch aber kaum etwas. Interessanter wird es bei der Nutzung von Magie bzw. der sogenannten Suggestion. Suggestion kann ausschließlich gewirkt werden, wenn man sich den Klerikern angeschlossen hat. Diese bestimmte Art der Magie ermöglicht es mithilfe von Psi-Kräften die Gedanken und Handlungen der Gegner zu steuern und zu kontrollieren. So kämpfen Gegner beispielsweise kurzfristig an Jax‘ Seite, anstatt gegen ihn.

Skilltrees und Attribute – RPG at its best!

Beim Leveling hat sich im Vergleich zu den vorherigen Werken von Piranha Bytes einiges Getan. Es gibt für die verschiedenen Fraktionen eigene Talentbäume, die dem Spieler freigeschaltet bzw. verschlossen werden, je nach Wahl der Fraktion. Diese Bäume können als „Core-Talente“ betrachtet- oder aber vollkommen ignoriert werden. Abgesehen von den Fraktionsabhängigen Skilltrees, stehen dem Spieler alle Möglichkeiten offen. Skillt man auf Intelligenz, so kann man Fähigkeiten im Bereich Waffenbau und Sozialkompetenz erlernen. Entscheidet man sich für die klassische Stärke-Skillung, so hat man später die Möglichkeit stärkere Waffen zu tragen und seine Mitmenschen einzuschüchtern. So oder so kommt man ans Ziel, wie der Weg dahin aussieht, kann aber jeder ganz frei für sich entscheiden. Alles in allem sind die Skilltrees eine nette Erweiterung zu den den klassischen Attributen, allerdings hätte ich mir hier eine höhere Gewichtung im Gameplay gewünscht. Besonders im Nahkampf wären beispielsweise neue Kombos zum Erlernen eine nette Abwechslung gewesen.

Piranha Bytes und Moralsystem – Dürfen die das?

Ein weiterer Aspekt ist das neue Moralsystem. Je nachdem, welche Antworten oder Handlungen der Spieler zum besten gibt, gewinnt Jax mentale Wärme oder Kälte. Hierbei steigert logisches, berechnendes Verhalten die mentale Kälte, während emphatische und emotionsgesteuerte Handlungen die mentale Wärme beeinflussen. Die getroffenen Entscheidung beeinflussen das Verhalten der NPCs gegenüber Jax, was in einigen Situationen zu alternativen Dialogoptionen führt. Vor allem zum Ende des Spielt hin wird der mentale Zustand von Jax – quasi sein Mindset – mehr in den Vordergrund gerückt. Im Laufe des Spiels spielt dieses aber eher eine untergeordnete Rolle, was ich sehr schade finde.

Das Menü – UX / UI 5 von 10

Die Menüsteuerung ist ein wenig unübersichtlich, ist aber in der Regel nach einer gewissen Spielzeit in Fleisch und Blut übergegangen. Durch die wenig aussagekräftigen Symbole hat man eingangs das Gefühl sich einmal durch das komplette Menü durchklicken zu müssen, um das richtige Inventar zu finden. Zwar gibt es für alle relevanten Untergruppen von Items entsprechende Untermenüs, benutzerfreundlich oder gar ansehnlich sind diese aber leider kaum. Zudem fehlt eine Vergleichsfunktion für die verschiedenen Waffen und Rüstungsteile im Inventar. Dadurch, dass alle Waffen, auch die ausgerüstete, in einem Menü zusammengefasst sind, kann man die Werte zwar „manuell“ miteinander vergleichen. Eine eigene Funktion wäre hier aber noch einen Ticken komfortabler und zeitgemäßer gewesen. Abschließend gibt es noch die Quickslot-Leiste, auf welcher 10 Slots mit Heiltränken, Waffen und Zaubern versehen werden können. Auch hier ist die Handhabung zu Beginn etwas frikelig, ist aber nach einer kurzen Eingewöhnung gut zu meistern.

Die Spielwelt

Auf den ersten Blick ist der Planet Magalan unglaublich vielseitig und abwechslungsreich. Im Norden befindet sich das eisige Land Xarcor, wo die Albs ihr Unwesen treiben und sich Pläne zur Weltherrschaft ausdenken. Im Osten liegt Ignadon, die Heimat der Kleriker, die aus kargem Vulkanland besteht. Südöstlich liegt Tavar, eine sandige Wüstenlandschaft, die von den Outlaws in ihren Schrotthütten bevölkert wird. Im Süden liegt das tropisch-verwachsene Land Edan, wo die Berserker ihre Heimat gefunden haben.

Geheimnisse entdecken und…Fotos sammeln?

Die Spielwelt von Elex ist groß – etwa 1,5 mal so groß wie die Welt aus Gothic 3, nach Aussage der Entwickler. Die unterschiedlichen Klimazonen (Eislandschaft, Vulkangebiet, Wüste, Dschungel) rechtfertigen eine solche Größe. Die Herausforderung allerdings besteht darin, diese Größe mit Leben zu füllen. Dies ist den Machern an dieser Stelle nur größtenteils gelungen. An vielen Ecken findet man NPCs und Nebenquests, die man dort nicht unbedingt erwartet hätte. Tonbänder erzählen Geschichten aus alten Tagen und Fotos wollen gesammelt werden, ohne dafür jemals eine Quest vergeben zu haben. Subtile Hinweise auf eine zerstörte Welt, die unserer gar nicht so unähnlich ist und Geheimnisse unter Tage, die unbedingt entdeckt werden wollen. All das sind Dinge, die einem auf dem Weg begegnen, wenn man denn hinsieht.

Was weniger spannend ist, ist das in der Welt von Elex zu findende Loot. Zigaretten, Plastikbecher und nicht zu vergessen: Klopapier. Jede Menge Klopapier. Die Ruinen aus alten Tage sehen von außen betrachtet vielversprechend aus, aber nachdem man das xte Gebäude durchsucht hat und nichts als Schund zum verkaufen gefunden hat, geht die Motivation leider recht schnell flöten. Das finde ich extrem schade, denn Elex bietet interessante und geheimnisvolle Orte. Leider verleitet das Spiel aber kaum dazu auch aktiv danach zu suchen.

Prepare to die 2.0

Nach einer kurzen Introsequenz kann man sich vom eigentlichen Hauptpfad absetzen und seine Reise ins Grüne antreten. Mit Hilfe des zu Beginn ergatterten Jetpacks kann jeder Ort, den man in der Ferne sieht, auch erreicht werden. Das ist auf dem Papier eine großartige Idee, in der Praxis ergeben sich allerdings einige Probleme. Schon zu Gothic-Zeiten konnte man zu Beginn des Spiels die gesammte Spielwelt erkunden. Das man da den ein oder anderen Tod gestorben ist, blieb nicht aus und das war auch ok so. Denn damals Gothic und heute Elex nimmt die Spieler nicht an die Hand oder warnt ihn gar vor Gefahren.

Doch das ist auch der Knackpunkt: Wo man sich bei Gothic noch relativ frei durch ein Startgebiet bewegen konnte und die Gegner zum größten Teil auf einem ähnlich hohen Level waren, bekommt man bei Elex gleich die volle Breitseite ab, wenn man sich minimal vom Pfad entfernt. Natürlich ist das ein Punkt, mit dem Piranha Bytes immer geworben hat – eine knallharte Spielwelt, die dich in die Knie zwingt ohne dich an die Hand zu nehmen. Aber ich werde das Gefühl nicht los, dass sie es bei Elex etwas übertrieben haben. Daher macht sich vor allem im ersten Drittel des Spiels eine Menge Frust breit, zumal man bereits sehr früh wichtige Quests erhält, die den Spieler durch die halbe Weltgeschichte schicken. Und das mit nichts weiter als einem alten Knüppel und der erst besten „Rüstung“ die man finden konnte. Bereitet euch also darauf vor zu sterben. Oft

Aber das frustriert Sein lohnt sich..

Daraus ergibt sich aber auch ein positiver Punkt, den Elex wie kaum ein anderes Spiel gemeistert hat. Dadurch, dass vor allem zu Beginn die Kämpfe unglaublich frustrierend und sackschwer sein können, ergibt sich im Laufe der Zeit ein fantastisches Progress-Gefühl. Monster, die einen zu Beginn noch mit einem Schlag erledigt haben, werden plötzlich machbar und Viecher, in dessen Nähe man sich zu Beginn noch nicht mal getraut hat, werden dann doch mal ausprobiert. Dieser Progress geht so weit, dass man sich zum Endgame hin unglaublich mächtig fühlt – from zero to hero, halt.

Technik – Grafik Anno 2013

Technisch betrachtet hat Elex einige Makel, die aber zu kaum einem Zeitpunkt den Spielspaß maßgeblich beeinflussen. Für ein 2017 erschienenes Spiel ist die Grafik schlichtweg nicht mehr aktuell, da sehen andere aktuelle Spiele aus dem gleichen Genre um Längen besser aus. Hier und da sind einige Grafikbugs in Form von laggender Vegetation aufgefallen, auch hier konnte ich aber keine Gamebreaker ausmachen. Bei ausreichender Hardware läuft das Spiel flüssig, auch in hektischen Situationen, bei 60 Bildern und Abstürze hat es zumindest bei mir keine gegeben.

Gegner-KI ganz individuell einstellen

Die KI der NPCs ist kein Meisterwerk, aber zumindest folgen sie Jax nun ohne Probleme und verschwinden nicht alle paar Minuten grundlos, wie es bei den älteren Piranha Bytes Spielen noch der Fall war. Vor allem das Kampfverhalten der Gegner wurde mit einem Update zu den Schwierigkeitseinstellungen maßgeblich verbessert. Somit kann nun die Aggressivität der Gegner von passiv bis aggressiv eingestellt werden. Ich empfehle hier die Einstellung aggressiv, da passive Gegner so gut wie nie angreifen, was ein wenig die Herausforderung aus den Kämpfen nimmt. In dem Update enthalten sind außerdem Einstellungen zum eigenen Ausdauerverbrauch, dem ausgeteilten und eingesteckten Schaden und zu der Stärke der Gegner. Auf diese Weise kann jeder seine ganz individuelle Einstellung finden, mit der er oder sie am liebsten spielt.
Ladebildschirme gibt es so gut wie keine. Die ganze Spielwelt, ob drinnen oder draußen, hängt zusammen, weswegen man sich nicht über lange Ladezeiten beschweren kann.

Fazit

Abschließend lässt sich sagen, dass Elex ein durchaus gelungenes Spiel geworden ist, welches an manchen Stellen leider etwas hinter seinem Potential zurück bleibt. Es bestehen viele unglaublich interessante Ansätzevor allem im Bereich der Story, die möglicherweise nie von einigen Spielern entdeckt werden, weil das Spiel wenig Anreiz zum Forschen bietet. Selbiges gilt für das Moralsystem, das in seinen Ansätzen vollkommen Sinn macht, dem es aber leider noch etwas an Tiefe fehlt.

Wenn man die alten Spiele von Piranha Bytes betrachtet, geht Elex in die richtige Richtung, vor allem was die Spieltiefe und das Level-System angeht. Generell scheint sich das Spiel ernster zu nehmen als ältere Vertreter, was aber immer wieder durch humorvolle Dialoge und Quests aufgebrochen wird. Somit haben die deutschen Entwickler eine gute Balance zwischen Ruhrpott-Humor und ernsthafter Sci-Fi-Phantasy gefunden. Grafisch leider nicht ganz auf dem aktuellen Stand der Technik, bietet die Welt von Elex aber viele Beschäftigungsmöglichkeiten – von Quests, übers Jagen bis hin zu Beziehungen knüpfen. Der einzige größere Wehrmutstropfen ist die frikelige Handhabung des Kampfsystems und des Itemmanagements, mit ein wenig Eingewöhnungszeit und Geduld sind aber auch diese Punkte keine Gamebreaker. Auf alle Fälle ist Elex eine absolute Kaufempfehlung für alle, die Freude an den bisherigen Spielen von Piranha Bytes- und Lust auf ein vollwertiges Sci-Fi /Phantasy RPG haben.

Story8 von 10
Gameplay6 von 10
Spielwelt8 von 10
technische Umsetzung7 von 10
Gesamtbewertung7,25 von 10

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